CVP Nationalrätin Ruth Humbel
28.08.2006
 

Nein zur irreführenden und unheilvollen KOSA Initiative

Die KOSA-Initiative schlägt eine Änderung des geltenden Verteilschlüssels der Nationalbankgewinne vor. Gemäss Verfassung werden heute zwei Drittel des Gewinnes an die Kantone und ein Drittel an den Bund ausgeschüttet. Gemäss der Initiative soll in Zukunft jährlich eine Milliarde Franken an die Kantone ausgeschüttet werden und der Rest soll in den Ausgleichsfond der AHV fliessen.

Es geht bei dieser Initiative nicht um die Verteilung des ausserordentlichen Erlös der Goldreserven sondern um den jährlichen Gewinn.
    
Ertragsausfälle für Bund und Kantone
Der neue Verteilschlüssel hätte einen direkten Einfluss auf die öffentlichen Haushalte. Der Bund bekäme von der Nationalbank kein Geld mehr. Die Kantone bekämen insgesamt eine Milliarde Franken, beim derzeitigen Gewinn sind das gegenüber der jetzigen Situation insgesamt gut 600 Mio. Franken weniger. Diese Ausfälle bei der öffentlichen Hand, insbesondere beim Bund, müssten notabene durch weitere Ausgabensenkungen bzw. einem Leistungsabbau oder mit Steuererhöhungen kompensiert werden.
  
Für den Kanton Aargau würde dies bedeuten, dass er 50 Mio. Franken weniger bekommt, d.h. statt 126 Mio. Franken lediglich knapp 76 Mio. Franken. Wer kommt für diese Ausfälle auf oder welchen Bereichen sollen Staatsaufgaben abgebaut werden? Ist das das Ziel der Initianten? Will die SP plötzlich bei der Bildung, dem Gesundheits- – oder Sozialwesen abbauen?
 
Die Initiative löst keine Probleme bei der AHV sondern schafft neue
Die KOSA-Initiative kann die langfristigen Finanzierungsprobleme der AHV nicht lösen. Noch geht es der AHV gut. Im letzten Jahr hatte die AHV Einnahmen von 33.7 Mrd. Franken und Ausgaben von 31.3 Mrd. Franken. Finanziert werden diese Leistungen durch Arbeitgeber, Arbeitnehmerbeiträge und von der öffentlichen Hand. Rund 10 Mrd. Franken davon werden aus Steuern finanziert. Wir wissen, dass wir aufgrund der demographischen Entwicklung – die Lebenserwartung steigt und weniger Erwerbstätige finanzieren die AHV - ab dem Jahr 2015 Finanzierungsprobleme bekommen werden. Die KOSA- Initiative kann diese Finanzierung nicht sichern. Die Gewinne der Nationalbank schwanken und können keine stabile, sichere Einnahmequelle sein. Gehen sie zurück – die Nationalbank selber spricht von einer mittelfristigen Gewinnausschüttung von 1 Milliarde Franken – müsste wohl die öffentliche Hand in die Lücke springen und es könnte Druck auf die Nationalbank gemacht werden.
  
Es braucht Massnahmen und Veränderungen um die AHV zu sichern und zwar auf der Leistungs- – wie auch auf der Einnahmenseite. In einem ersten Schritt ist die 11. AHV-Revision derzeit in überarbeiteter Fassung wieder in der Beratung in der SGK des Nationalrates. Nach 2015 wird auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer für die AHV notwenig werden.
  
Den Initianten dürfte es ja auch eher darum gehen die AHV weiter auszubauen, als sie auf ein sicheres finanzielles Fundament zu stellen. Von gleicher Seite wird bekanntlich das Rentenalter 62 gefordert.

Indirekter Gegenvorschlag des Parlamentes
Das Parlament hat der KOSA-Initiative einen indirekten Gegenvorschlag gegenübergestellt. Der Bundesanteil von 7 Mrd. Franken aus dem verkauften Nationalbankgold soll nicht in die Bundeskasse sondern in den AHV/IV-Fond fliessen. Der AHV profitiert aber nur dann von den ausserordentlichen Erträgen des nicht mehr benötigen Goldreserven, wenn die Initiative abgelehnt wird.
  
Zusammenfassend ist die Initiative abzulehnen, weil sie
  • die mittel- bis langfristigen Finanzierungsprobleme der AHV keineswegs lösen kann
  • zu Steuererhöhungen und Leistungsabbau (bspw. bei der Bildung und im Gesundheitswesen) führen würde sowie
  • eine gefährliche Verquickung von Geld- und Sozialpolitik brächte und damit die Unabhängigkeit der Nationalbank gefährdet.

Ruth Humbel
Nationalrätin CVP
 

 
H O T L I N K S


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