CVP Nationalrätin Ruth Humbel
24.03.2006
 

IV-Revision auf Zielkurs

Mit der Revision der IV wird ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Massnahmen wie Früherfassung, Frühintervention, Wiedereingliederung und Stärkung der Mitwirkungspflichten sollen das Potential der Menschen fördern und nicht ihre Defizite pflegen. Die beschlossenen Leistungseinschränkungen sind zumutbar. Im Rat haben sich die CVP-Positionen gemäss Leitsatz „Arbeit vor Rente“ gegen linke und rechte Extremforderungen durchgesetzt. Entgegen den Gesprächen der Bundesratsparteien hat sich die SP vom Konsens verabschiedet und die IVG-Revision abgelehnt. Damit gefährdet sie die Sanierung der IV und die Interessen der Behinderten.
             
Die IV ist eines unserer grossen Sozialwerke und gewissermassen zum Abbild von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen geworden. Bei ihrer Entstehung waren es hauptsächlich durch Unfall oder Geburtsgebrechen verursachte körperliche Behinderungen, welche eine IV – Rente ausgelösten. Durch die sich wandelnden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen werden es immer mehr psychische Probleme, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen und in die IV führen. Die durch psychische Leiden oder durch „unkausale Zusammenhänge“ bedingten IV-Fälle nehmen vor allem bei jüngeren Menschen zu. Die Folge davon sind die ausufernden Kosten und die persönliche Tragik der Betroffenen.
           
Einzelne missbräuchliche Nutzniesser der IV haben dem Ruf der IV geschadet und zu einer gewissen Missbrauchspolemik geführt. Dass die Ratslinke demgegenüber das Vorkommen von Missbräuchen konsequent in Abrede stellt, zeugt von einer einfältigen Ignoranz. Es stellt sich jedoch die Frage, wer denn eigentlich missbräuchlich handelt: Ist es der Antrag stellende Versicherte, ein Arbeitgeber, der ihn bei Stellenabbau auf die IV hinweist, der behandelnde Arzt oder die IV-Stelle? Es sind wohl kaum die betroffenen Personen oder Institutionen, sondern es ist das System, das eine Fehlnutzung zulässt. Nicht zuletzt auch im Interesse der überwiegenden Mehrheit invalider Menschen will die IV-Revision eine Systemkorrektur mit richtigen Anreizen. Dazu hat der Nationalrat mit der IV-Revision die notwendigen Instrumente geschaffen. Ob die Revision in der Umsetzung das Ziel erreichen kann, wird weitgehend von den Arbeitgebern abhängen, von Ihrer Bereitschaft die Verantwortung wahrzunehmen und vermehrt Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen.
     
Bei einem kumulierten Defizit von 8 Milliarden kann die IV allerdings nicht allein mit Minderausgaben saniert werden. Eine zusätzliche Finanzierung ist unerlässlich und muss zügig realisiert werden. Wir dürfen es nicht zulassen, dass sich das Defizit der IV jeden Tag um vier Millionen Franken erhöht und die AHV weiterhin den Fehlbetrag bezahlen muss.
   
Ruth Humbel
Nationalrätin CVP
 
 
H O T L I N K S


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