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10.11.2005 |
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Nein zur Gentechfrei-Initiative
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Mit der Volksinitiative „Für Lebensmittel aus gentechnisch
freier Landwirtschaft“ verlangen die Initianten, dass während fünf
Jahren in der Schweiz keine Pflanzen angebaut und keine Tiere
gehalten werden dürfen die gentechnisch verändert sind. Auf den
ersten Blick wirkt die Initiative sympathisch. Die meisten
Menschen in unserem Land wollen keine gentechnisch veränderten
Lebensmittel. Es braucht diese Initiative jedoch nicht, um die
Menschen vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln zu verschonen.
Ich lehne sie ab, weil sie überflüssig und unehrlich ist, sowie
dem Wirtschafts- und Forschungsplatz Schweiz und damit unserer
Volkswirtschaft schadet.
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Die geltende Gesetzgebung genügt
Seit dem 1. Januar 2004 haben wir eines der weltweit
strengsten Gentechnik-Gesetze, das auf dem Vorsorge- und
Verursacherprinzip basiert und bei Pflanzen auf einen streng
kontrollierten Umgang statt auf Verbote setzt. Das Gesetz
verbietet hingegen das Halten gentechnisch veränderter Tiere in
der Landwirtschaft. Für den Anbau gentechnisch veränderter
Pflanzen schreibt es nach dem Vorsorgeprinzip ein strenges
Prüfungsverfahren vor, das mindestens fünf Jahre dauern würde. In
jedem Einzelfall muss anhand von In- und Outdoor-Versuchen
bewiesen werden, dass das Saatgut unbedenklich ist und sich in
keiner unerwünschten Weise verbreitet. Bis heute ist noch kein
entsprechendes Gesuch gestellt worden. Das Moratorium ist daher
überflüssig. Faktisch geht es nicht weiter als das Gesetz.
Das Moratorium ist unehrlich, weil es dem Konsumenten Lebensmittel
aus einer gentechnikfreien Landwirtschaft verspricht. Dieses
Versprechen kann nicht eingehalten werden. Auch nach der Annahme
der Initiative bleibt die Einfuhr von gentechnisch veränderten
Produkten sowohl als Nahrung wie als Futtermittel erlaubt.
Eine Gefahr für den Forschungsstandort
Das Moratorium ist schädlich, weil es ein falsches Signal an
den Forschungsplatz Schweiz sendet. Die Moratoriums-Initiative
verbietet die Forschung zwar nicht direkt. Wer würde aber Energie
und Geld in eine Forschung stecken, wenn deren Anwendung verboten
ist? Es muss damit gerechnet werden, dass die Forschung mit samt
ihren Arbeitsplätzen ins Ausland abwandern würde und die Schweiz
ihren Spitzenplatz verliert. Die Forschung kann nicht verhindert
werden. Wenn wir sie verbieten oder verunmöglichen findet sie
irgendwo im Ausland statt. Die Konjunkturforschungsstelle (KOF)
der ETH Zürich kommt zum Schluss, dass eine Annahme der
Gentechfrei-Initiative negative Auswirkungen auf den
Forschungsplatz hätte und die Schweiz ihre führende Rolle im
Bereich der Pflanzenbiologie und im Bereich der Gen- und
Biotechnologie rasch und unwiderruflich verlieren würde.
Statt für Verbote plädiere ich für eine ganz klare und
transparente Deklaration von Lebensmitteln. Für die Konsumentinnen
und Konsumenten muss klar erkennbar sein, ob die Lebensmittel
gentech-veränderte Substanzen beinhalten oder nicht, damit sie
beim Einkaufen bewusst selber entscheiden können. Die Wahlfreiheit
und das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten wird die
Produktionsweise der Landwirtschaft beeinflussen. Wenn keine
gentech-veränderten Produkte konsumiert werden, werden sie nicht
angebaut. Zudem wird kein Bauer je verpflichtet, die Produktion
umzustellen. Wer biologisch oder integriert produziert wird das
weiterhin tun können.
Die Evolution basiert auf gentechnisch veränderten Organismen
Die Natur führte und führt selber immer genetische
Veränderungen durch. Diese Veränderungen ermöglichen die Evolution
des Lebendigen, ein nie endender Prozess. Unser heutiges Leben,
unsere Umwelt, überhaupt die Erde ist Ausdruck dieser Evolution.
Aus vielen zufälligen oder gesteuerten Veränderungen setzen sich
diejenigen durch, die sich in ihrem Umfeld behaupten können und
überleben. Seit Jahrtausenden nutzen wir diese Evolution zu
unserem Vorteil. Seit jeher dienen genetische Veränderungen in der
Natur der Landwirtschaft um bessere, robustere, schmackhaftere und
ertragsreichere Pflanzensorten zu kultivieren. Mit Kreuzungen
wurde und wird auch bewusst in den natürlichen Evolutionsprozess
eingegriffen. Grüne Gentechnologie ist nichts anderes als eine
noch gezieltere und vor allem schnellere Nutzung dieser
Veränderungen. Dazu braucht es strenge Kontrollen und
gesellschaftliche Schranken. Es muss sichergestellt sein, dass
diese Technologie in den Dienst der Menschen gestellt und nicht zu
ihrem Schaden eingesetzt wird. Dafür sorgt bei uns das
Gentechnikgesetz. Die Initiative bringt keinen zusätzlichen Nutzen
sondern schadet. Lehnen wir sie ab!
Ruth Humbel Näf
Nationalrätin, Birmenstorf
10.11.05
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