CVP Nationalrätin Ruth Humbel
12.05.2006
 

Nein zur Einheitskrankenkasse

Vor ziemlich genau drei Jahren haben das Volk mit gut 76 % Nein-Stimmen und alle Kantone die Volksinitiative „für eine gesunde Krankenversicherung“ abgelehnt, welche eine einkommens- und vermögensabhängige Prämie einführen wollte. Am ersten Tag der Sondersession hat der Nationalrat die Volksinitiative „für eine soziale Einheitskrankenkasse“ mit 109 zu 61 Stimmen abgelehnt. Es kann nur als Zwängerei und Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Problemen bezeichnet werden, so kurz nach einer verlorenen Volksabstimmung wieder dasselbe Anliegen ins Parlament zu bringen. Abgesehen davon ist die Initiative irreführend und schadet dem Mittelstand. Sie ist Kosten treibend und führt in die Staatsmedizin.
     
1. Die Initiative ist irreführend und schadet dem Mittelstand
Das Problem bei der Krankenversicherung liegt nicht in der Art der Finanzierung sondern in der Kostenentwicklung. Die Prämien sind ein Abbild der Kosten. Seit der Einführung des KVG sind diese um mehr als 50 % angestiegen. Die Hauptgründe dieser Entwicklung liegen im medizinische Fortschrift, der Mengen- und Preisentwicklungen und vor allem auch bei falschen Anreizen für Versicherte und Leistungserbringer. Die Einheitskasse bietet keine Lösung für diese Probleme. Sie will auch nicht eigentlich etwas gegen diese Kostenentwicklung tun, sondern hat einzig die Verwaltungskosten der Krankenversicherer im Visier, welche gerade mal 5,6 % der Ausgaben der Grundversicherung ausmachen.
  
Die Finanzierung der Krankenversicherung ist hingegen keineswegs unsolidarisch wie dies die Initiative zu suggerieren versucht, im Gegenteil das KVG gewährleistet auch bei der Finanzierung Solidarität. Die Grundversicherung wird nämlich aus rund 60 % Prämien und rund 40 % Steuern finanziert. Mit der individuellen Prämienverbilligung wird rund ein Drittel der Bevölkerung in wirtschaftlich bescheidenen Verhältnissen spürbar entlastet. Gerade diesen Menschen brächte die vorliegende Initiative keine zusätzliche Entlastung. Sie wie auch der Mittelstand müssten mit einer deutlichen Mehrbelastung rechnen.
  
2. Die Initiative ist Kosten treibend und führt in die Rationierung
Die Initiative will die Prämien nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Versicherten festlegen. Die Initianten äussern sich nicht zur genauen Umsetzung dieser Bestimmung. Eine Finanzierung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit kann jedoch nur mittels Lohnprozenten oder direkten Steuern erfolgen. Um die Kostenentwicklung auffangen zu können müssten folglich jährlich die Lohnprozente oder die Steuern erhöht werden, was nicht so leicht möglich sein dürfte wie die jährliche Erhöhung der Prämien. Gerade durch die Möglichkeit die Prämien jährlich den Kosten anzupassen haben wir bisher Rationierungsmassnahmen verhindern können. Würden die notwendigen finanziellen Mittel nicht mehr der Kostenentwicklung angepasst, was bei einem mit Steuern oder Lohnprozenten finanzierten System zu erwarten ist, wären Rationierungsmassnahmen und die Zweiklassenmedizin unumgänglich.
 
Wir haben heute je nach Kanton sehr unterschiedliche Kosten und Prämien. Die Prämienunterschiede sind im wesentlichen Ausdruck der jeweiligen kantonalen Gesundheitspolitik. Kantone mit hohen Preisen für medizinische Leistungen sowie einer hohen Dichte an Leistungserbringern, namentlich Spitälern und Ärzten haben höhere Prämien. Eine Einheitskasse würde zu Quersubventionen unter den Kantonen und insgesamt zu höheren Kosten führen, vergleichbar mit der IV.
  
3. Eine Einheitskasse wäre ein erster Schritt zu einer Verstaatlichung unseres Gesundheitswesens.
Die CVP will das nicht. Wir müssen im Bereich der obligatorischen Sozialversicherung die richtige Balance zwischen staatlicher Regulierung und Wettbewerbselementen finden. Die CVP will weder ein absolut liberales Gesundheitswesen noch eine Staatsmedizin. Beide Modelle haben in der Praxis versagt. Wir wollen in unserem Krankenversicherungssystem aber Wettbewerbselemente stärken, namentlich im Leistungsbereich. Wir verlangen daher Transparenz, Qualitäts- und Preisvergleiche bei den Leistungserbringern und ebenso Transparenz bei der Prämiengestaltung der Krankenversicherer. Die Probleme unserer Krankenversicherung müssen dort angegangen werden wo sie liegen, nämlich bei der Kostenentwicklung und nicht bei der Finanzierung.
  
Es ist eine Errungenschaft des KVG, dass alle Versicherten die Krankenversicherung wechseln können. Tatsächlich wechseln verhältnismässig wenige Versicherte ihre Versicherung, weil sie mit Ihrer Krankenkasse zufrieden sind. Verschiedene Umfragen bestätigen regelmässig eine hohe Zufriedenheit der Versicherten mit ihrer Versicherung. Auch unter diesem Aspekt der Zufriedenheit der Versicherten braucht es keine Einheitskasse. Die Unzufriedenen haben heute die Möglichkeit die Kasse zu wechseln. Bei einer Einheitskasse fällt diese Möglichkeit weg.
  
Die Probleme in der Krankenversicherung müssen bei der Ursache angegangen werden mit einer Verbesserung der Anreizsysteme und Kostendämpfungsmassnahmen. Das ist die zweifellos schwierige Aufgabe der laufenden KVG-Revision.

Ruth Humbel
Nationalrätin

 
 
H O T L I N K S


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